Der Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden blickt auf eine hundertjährige Geschichte zurück. Eine Schau mit 16 großformatigen Tafeln erzählt die Geschichte der Interessenvertretung von den Anfängen durch die Zeit der Entrechtung, Verfolgung und Vernichtung bis zurzeit nach Wiedervereinigung.
Der Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden K.d.ö.R. zeigt die Wanderausstellung "100 Jahre des Verbandes der jüdischen Gemeinden Sachsens" im Gemeindezentrum der Jüdischen Gemeinde zu Dresden. Auf 16 großformatigen Tafeln zeichnet die Schau die Geschichte des Verbandes von seiner Anerkennung als juristische Person des öffentlichen Rechts 1926 bis in die Gegenwart nach. Die Ausstellung ist Teil des sächsischen Themenjahres "Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026" (TACHELES-2026) und noch bis zum 8. November 2026 zu sehen.
Am 13. September 1926 wurde der «Sächsische Israelitische Gemeindeverband» von staatlicher Seite anerkannt – die Keimzelle des heutigen Landesverbandes. Ihm gehörten die jüdischen Gemeinden Bautzen, Zittau, Dresden, Leipzig, Chemnitz, Annaberg, Zwickau und Plauen an; erster Vorsitzender war der Dresdner Rechtsanwalt Dr. Paul Salinger. Die Ausstellung verfolgt den Weg des Verbandes durch die Weimarer Republik, die Ausgrenzung, Verfolgung und Vernichtung der jüdischen Gemeinden während der NS-Zeit, die eingeschränkte Existenz in der DDR und den Neuanfang nach der Wiedervereinigung bis zur Gegenwart.
Im Mittelpunkt der Tafeln stehen zentrale Persönlichkeiten der Verbandsgeschichte – von dem ersten Vorsitzenden Paul Salinger und der Landesfürsorgerin Liesel Scooler über den DDR-Präsidenten Julius Meyer und Helmut Aris bis zu Heinz-Joachim Aris und der heutigen Vorsitzenden Ekaterina Kulakova. Historische Fotografien und Dokumente, darunter das Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig von 1926, ergänzen die biografischen Porträts.
«Diese Ausstellung macht sichtbar, wie sehr das Schicksal unseres Verbandes mit der Geschichte Sachsens verwoben ist – über Verfolgung, Neuanfang und bis in die Gegenwart», sagt Ekaterina Kulakova, seit Januar 2025 Vorsitzende des Landesverbandes Sachsen der Jüdischen Gemeinden. «Gerade jetzt, in Zeiten wachsenden Antisemitismus, ist es uns wichtig, diese hundertjährige Geschichte einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.»
Die Ausstellung wurde von der Dresdner KIW-Gesellschaft e.V. erstellt. KIW steht für Kultur-, Ingenieur- und Wissenschafts-Gesellschaft. Sie wurde vor 25 Jahren gegründet und vereint vor allem jüdische Akademiker, die aus der ehemaligen Sowjetunion eingewandert sind. Sie leistet einen wichtigen Beitrag zur Integration und zur Verständigung. Die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung ist Kooperationspartner des Landesverbandes bei der Präsentation der Ausstellung. Nach der Station im Gemeindezentrum wird die Ausstellung in Räumen von Kirchen, Bildungseinrichtungen, Verwaltungsgebäuden und anderen öffentlichen Orten gezeigt.
Der Landesverband vertritt heute die jüdischen Gemeinden in Dresden, Leipzig und Chemnitz mit insgesamt rund 2.600 Mitgliedern; das Zentrum Chabad Lubawitsch Sachsen mit Sitz in Dresden ist Kooperationspartner der Dachorganisation. Grundlage der Zusammenarbeit mit dem Freistaat ist ein Staatsvertrag, der zuletzt 2024 aktualisiert wurde. Seit dem Schuljahr 2019/20 können Schülerinnen und Schüler an sächsischen Schulen zudem das Unterrichtsfach «Jüdische Religion» belegen – ein Ergebnis langjähriger Bemühungen des Landesverbandes.
Besuch der Ausstellung: Die Ausstellung kann bis 8. November 2026 Gemeindezentrum der Jüdischen Gemeinde zu Dresden Hasenberg 1, 01097 Dresden, kostenlos besichtigt werden. Besucherinnen und Besucher müssen sich telefonisch unter 0351 6560710 anmelden.
Domokos Szabó
Geschäftsführer